Die Veranstalterin der VIII. Gay Games Cologne 2010, die games cologne gGmbH, hat beim Amtsgericht Köln den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen müssen.
Wir möchten Sie über die Gründe informieren:
Die gemeinnützige games cologne gGmbH wurde am 03.04.2006 zur Planung und Durchführung der VIII. Gay Games Cologne 2010 gegründet, die vom 31. Juli bis 7. August 2010 in Köln stattfanden. Die Kölner Gay Games waren in mehrerer Hinsicht überaus erfolgreiche Spiele: Knapp 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 60 Ländern feierten fröhliche, friedliche Spiele, erlebten die Kölner Bevölkerung als überaus herzliche Gastgeber. Köln wurde international als offene, tolerante Stadt wahrgenommen, über 400 Journalisten berichteten teilweise täglich überaus positiv aus Köln und von den Gay Games. Insbesondere durch die Rede des Bundesaußenministers und Vize-Kanzlers Guido Westerwelle bei der Eröffnungsfeier im RheinEnergieStadion ging von Köln ein Signal für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in die Welt, das als „historisch“ bezeichnet wurde. Westerwelle war der ranghöchste Schirmherr, den die Gay Games in ihrer 30-jährigen Geschichte hatten. Für die Gastronomie und den Tourismus in Köln brachten die Gay Games Rekorde: Der August 2010 war der besucherstärkste August in der Kölner Tourismus-Geschichte. Mit knapp 420.000 Übernachtungen lag er sogar noch über dem bis dahin erfolgreichsten August im Jahr 2005, der mit dem Weltjugendtag knapp 370.000 Übernachtungen brachte.
Leider spiegelten sich diese Erfolgszahlen nicht in den Finanzen der games cologne gGmbH wider.
Die Gründe hierfür sind vielfältig:
Die Kölner Gay Games und vor allem die Planungsphase fielen in die Zeit einer weltweiten Wirtschaftskrise. Kosten stiegen, Sponsoren blieben aus. Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden oder Mitarbeiter entlassen mussten, hätten ihren Angestellten und Aktionären nicht vermitteln können, dass sie Geld für das Sponsoring einer Großveranstaltung ausgeben wollten. Teilweise wurden unterschriftsreife Verträge in letzter Minute gestoppt. Die Weltwirtschaftskrise beeinflusste auch die Teilnehmerzahl. Aus zahlreichen Gesprächen und E-Mails wissen wir, dass potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unsicher in ihre persönliche berufliche Zukunft blickten, schweren Herzens von einer Reise nach Köln absahen. Die Zahl von knapp 10.000 Anmeldungen wurde vor diesem Hintergrund von allen Beteiligten und auch den internationalen Verbänden als großer Erfolg gewertet. Die ursprünglich erhoffte Zahl von 12.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte jedoch nicht erreicht werden.
Die Planungen der Kölner Gay Games wurden im Laufe der Jahre an diese veränderte Situation angepasst. Während sich die ursprünglichen Budgetplanungen auf 10 Millionen Euro beliefen, wurden diese nach und nach reduziert. Zuletzt wurde mit einem Gesamtbetrag von 4 Millionen Euro kalkuliert, der durch die Teilnehmergebühren, zugesagte Zahlungen und Lizenzen gedeckt war.
Durchführbar waren die Gay Games nur durch den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz der zum Schluss etwa 300 Menschen im Organisationsteam, die teilweise mehr als fünf Jahre neben ihrem Beruf die Planung der Spiele voran trieben und während der Gay Games rund um die Uhr arbeiteten. Unterstützt wurden sie von über 2.600 Volunteers, die in der Gay Games-Woche ca. 10.000 Arbeitsstunden leisteten. Sie alle waren und sind das Herz der Gay Games, ohne die eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht denkbar ist.
Unvorherzusehende Kosten und ausgebliebene Zahlungen führten schließlich dazu, dass die games cologne gGmbH zahlungsunfähig wurde.
Beispielsweise wurden nach der Tragödie bei der Loveparade in Duisburg, bei der nur eine Woche vor den Gay Games 21 Menschen starben und viele weitere zum Teil schwer verletzt wurden, die Sicherheitsanforderungen für die Eröffnungsfeier der Gay Games durch die Behörden neu definiert. Dadurch entstanden Kosten in fünfstelliger Höhe.
Schockierend war für die Organisatorinnen und Organisatoren auch das Ausmaß der Diebstähle, die sie nach den Gay Games zu bilanzieren hatten: Computer, Funkgeräte, Fahnenmasten, Bierbänke und vieles mehr - die Gesamtsumme belief sich auf einen weiteren Betrag in fünfstelliger Höhe, für den keine Versicherung eintritt.
Darüber hinaus blieben zugesagte oder vertraglich vereinbarte Zahlungen in sechsstelliger Höhe aus. Teilweise konnten oder wollten Partner ihre Lizenzzahlungen nicht erfüllen, da sie selbst mit höheren Einnahmen kalkuliert hatten.
Das Defizit beträgt insgesamt etwa 5 Prozent des Budgets. Bis zuletzt bemühte sich die Geschäftsführerin der games cologne gGmbH, Annette Wachter, ausstehende Zahlungen einzutreiben und den noch verbliebenen Verpflichtungen nachzukommen, von denen in den Monaten nach den Gay Games auch ein Großteil erfüllt werden konnte.
Leider sahen wir zuletzt jedoch kaum noch Handlungsmöglichkeiten, so dass wir gezwungen waren, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Wir haben die Hoffnung, dass es dem Insolvenzverwalter eventuell noch möglich ist, einen Teil der ausstehenden Beträge zu realisieren und zur Deckung der verbliebenen Verpflichtungen zu nutzen.
